Der Sternwanderer
Dies ist die kosmische Saga von Ragnac val Hallas, dem Sternwanderer, er war einst ein Mensch aus Fleisch und Blut. Doch jetzt ist er eine Hülle aus chromierten flüssigen Terkonitstahl und Codierung, auf alle Ewigkeit verbannt in die kalte Unendlichkeit des Kosmos.
Ragnac war nicht immer eine Maschine, die Legende sagt, dass er aus den äußeren Rand Welten einer uralten Galaxie abstammt, dort wo die Wiege des Lebens entstanden ist.
Als Admiral, Befehlshaber einer riesigen Flotte aller galaktischen Sauerstoff atmenden Völker, stemmte er sich mit aller Gewalt mit aller Kraft, mit allem Mut und Verzweiflung gegen den Ansturm der Methan atmenden Spezies des Universums, denn zusammen konnten sie nicht leben, weil jede Spezies unterschiedliche Gase zum Atmen und zum Leben brauchte. Um das Leben der Sauerstoff atmenden Spezies im Universum zu retten, ging Ragnac eine verhängnisvolle Verbindung ein. Er schloss einen Pakt mit den Technomanten von Krytrojalos. Die Technomanten waren eine körperlose Energie geladene geistige Form, die in einer Sphäre lebten und alles Wissens des Universums beherrschte. Sie waren weise und allwissend. Boten Ragnac die Unsterblichkeit an, damit er weiterhin die Flotte anführen und weiter kämpfen kann, und sie sagten, er würde ihr Wissen bekommen, um den Sieg zu erringen. Nicht ahnend, was da kommen würde, willigte Ragnac ein. Er war bereit, einen gewissen Preis zu zahlen.
Er erhielt die Unsterblichkeit, in dem die Technomanten ihn zu einem unsterblichen Androiden mit den schnellsten und besten Rechenprozessoren, Algorithmen und Speicherkernen, umformten. Damit Ragnac ewig die Flotte der Sauerstoffatmer im Universum anführen kann. Er war nun mehr eine Maschine als ein Mensch. Ein Android, ein künstliches Wesen, silbern scheinend. Ragnac bekam eine Skelett-Verstärkung. Sein biologisches Skelett wurde in künstliche, hochfeste Materialien wie Terkonit-Legierungen sowie seine Muskeln in Kohlenstofffaser-Verbindungen umgewandelt. Dadurch würde die Robustheit und Tragfähigkeit des Körpers drastisch erhöht. Sein Körper wurde mit chromierten flüssigen Terkonitstahl überzogen so das seine Haut silbern glänzte. In seinem Kopf wurde ein Gehirn-Computer-Schnittstellen Chip eingesetzt. Diese Gehirn-Schnittstelle bewirkte eine gedankliche Steuerung des robotischen Körpers, nahezu mit Lichtgeschwindigkeit. Ein Teil seines Knochenmarks wurde in Speichermasse und ein anderer Teil als Energiespeicher umgewandelt.
Ragnac führte die Flotte von Sieg zu Sieg, dadurch dass er als rationell denkender Android seine Prozessoren wie ein Spezial Hochleistungsrechner arbeiten ließ. Er funktionierte immer und traf die richtigen Entscheidungen, in dem er die galaktische Flotte anführte, endlich waren alle Lebewesen, ob Gas- oder Sauerstoffatmer es Leid Krieg zu führen. Endlich, nach 500.000 Jahren Leid und Sterben von Sonnen, Planeten und Lebewesen gab es den ersehnten Frieden. Doch der Preis für Ragnac war grausam. Die Technomanten hatten seinen „Bios*Kern“, also sein Herz gelöscht. Ragnac war nur noch ein Android. Eine logisch denkende Maschine ohne Gefühle. Er war nicht mehr der Mensch
Ragnar val Hallas sondern der fast nur noch aus Metall bestehende Android RnH-X.
Er kannte keine Angst mehr. Er schritt, wenn es sein musste, durch eine Supernova, ohne überhaupt zu blinzeln. Auch das Gefühl von Zuneigung und Liebe war ihm nun fremd. Er vergaß das Gesicht seiner Frau, die Namen seiner Kinder, während er ihre Koordinaten im Speicher behielt. Selbst Schmerz oder Mitleid waren ihm inzwischen unbekannt. Er reparierte seine Schaltkreise und sich selbst mit dem Gleichmut eines Mechanikers.
Für ihn war das logisch, obwohl es ein Fluch war. Denn kalter flüssiger Terkonitstahl ist nicht menschlich. Doch tief in seiner versiegelten CPU war noch ein kleiner wichtiger Datensatz. Die Erinnerung an einen kleinen blauen Planeten, der irgendwo im Universum um eine Sonne kreiste. Dort wo er geboren wurde und einst lebte. Dieser eine für die Technomanten unbedeutender Datensatz, war für RnH-X etwas, wie eine Sehnsucht. Die Legenden und Geschichten, die im Universum von Mund zu Mund von Text zu Text von Archiv zu Archiv weitergegeben wurden, besagten, dass nur die Atmosphäre der Erde - die Wiege allen Seins - das Gefühlsprotokoll reaktivieren könne. Dadurch würde sein Körper wieder organisch und menschlich werden und er könnte endlich nach all den langen Jahren wieder sterben. Da es für diese Legenden keine Beweise gab, sondern nur Erzählungen und Träume von organischen Individuen war, suchte RnH-X nach Informationen zu diesen alten Erzählungen obwohl seine Logig sagte das es so was nicht geben könne. Es war unlogisch.
Da nun Frieden im Universum war und alle Völker untereinander Handel trieben, hatte RnH-X keine Aufgabe mehr. Er musste nicht mehr Kämpfen, anführen und siegen, RnH-X hatte keine Aufgabe und kein Ziel mehr, daher wollte er sich eliminieren. Aber die Technomanten hatten eine Sperre in seiner CPU verankert, so das nichts RnH-X zerstören konnte, nur im Kampf war es möglich ihn zu Eliminieren. So begann für RnH-X, dem Androiden, die Odyssee durch die Sternensysteme durch das Universum von Galaxie zu Galaxie.
Er RnH-X der Android wurde zu einem Nomaden zu einem Sternwanderer, eine jener wenigen, die nicht von A nach B reisen, um Waren zu liefern. Er wanderte von Galaxie zu Galaxie, getrieben von seinem logisch rechnenden Prozessor in seinem Körper. Dieses Treiben, das er selbst nicht mehr als Sehnsucht identifizieren konnte, ließ ihn immer weiter durch das Universum reisen.
In der Unendlichkeit zwischen den Galaxien im Raum der Lehre ist es nicht schwarz, wer das behauptet hat nie die Galaxien bereist und genau hingesehen. Es ist ein tiefes, sanftes Violett, durchzogen von den fernen Echos sterbender Sonnen.
Nun aber möchte ich von einigen Aufzeichnungen berichten. Der Prüfung des RnH-X auf seinem Weg durch das Universum. Jede Station war ein Versuch, das System zu überlisten oder sich besiegen zu lassen, doch jedes Mal scheiterte RnH-X an seiner eigenen Perfektion. So hatte er noch viele Jahrtausende vor sich.
Das Archiv aller gelebter Seelen auf dem Kristallplaneten der trommelnden Sonnen.
Auf dem Planeten AchiVari der um die drei trommelnden Sonnen im Quadranten von Epsilon Eridani kreiste, stieß RnH-X, wie seine Robotik Bezeichnung ist, nach weiteren hunderttausend Jahren auf ein Archiv. Hier waren alle genetischen Abdrücke aller Seelen, die je gelebt hatten, tief in den Datenbanken gespeichert. Dort suchte Ragnac nach seinem Ursprung, denn er wollte wissen, wo er herkam. Er suchte nach einem Schlüssel zu seinem verschlossenen Herzen, um es wieder freizuschalten und menschlich zu werden, aber er fand nichts. Bei seiner Suche traf er auf den Hüter allen Wissens den Verwalter des Archivs. Ein Wesen, das RnH-X in etwa glich, es war nicht aus gehärteten Terkonitstahl, sondern eine Aula aus Licht, leuchtend in allen Farben. Dieses Leuchten waren all die Daten aus der Vergangenheit von all den Seelen, die je im Universum gelebt haben. Der Hüter sagte zu ihm: "RnH-X bist du zu mir gereist, durch die dunklen Nebel, durch viele Gefahren nach hier gekommen, um etwas von mir zu erfahren?
RnH-X reagierte sofort und sagte zum Hüter des Archivs. „Sage mir, hat es die Erde jemals gegeben?“
Der Hüter des Archivs hielt inne und durchforstete seine Datenbanken. Dann spielte er Hologramme von der Erde ab.
Bilder von Wellen, die am Ufer strandeten, das Rauschen des Meeres. Das Prasseln von Regen auf trockenem Asphalt und das Zittern einer menschlichen Hand bei einer Berührung. Beim Anblick dieser Bilder trat ein Fehler in RnH-X System auf, seine Kühlpumpe stotterte für einen Bruchteil einer Millisekunde, simulierte sein Gehirn ein Gefühl? Es war etwas wie..... Heimweh.
Der Hüter sagte zu ihm, „ich kann dir viele Bilder von der Erde zeigen, aber ihre Position kennt keine Datenbank, die Position der Erde dort, wo das Leben Entstand ist für alle Zeit verloren gegangen. Etwas hat die Datensätze aller Archive gelöscht. Das einzige, was ich dir mitteilen kann“. Der Hüter übermittelte RnH-X einen kleinen Datensatz.
Die Erde ist ein kleiner blauer Planet, der dritte einer kleinen gelben Sonne, am Rande einer Galaxie, aber welche Galaxie und welchen Sektor und Quadranten. Das kann ich dir nicht mitteilen. Nur eins kann ich dir sagen: „Deine Menschlichkeit ist wie eine statische Ladung, sie kann nicht im Vakuum existieren. Du musst den Boden berühren und die Atmosphäre spüren, die dich geformt hat. Nur die Erde mit ihrer Atmosphäre kann die Erdung bieten, die deinen metallenen Käfig sprengt. Aber du hast alle Zeit des Universums die Erde zu finden, sollte sie noch existieren.“
Der Kurs ist gesetzt
RnH-X stieg zurück in sein Raumschiff die Gilgamesh. Die Robotik des Schiffes flackerte kurz durch alle Displays und Instrumentenkonsolen, als erkenne sie ihren Piloten zum ersten Mal wirklich. "Soll ich einen neuen Kurs berechnen?" Gib mir die Koordinaten" Fragte die sanfte robot Stimme "Ja", antwortete RnH-X "nicht nach Sektoren oder Koordinaten" und legte eine Hand auf den Navigations-Schirm. "Suche nach dem Ort, an dem die Geschichten nicht gespeichert, sondern gelebt werden".
Die Triebwerke der Gilgamesh zündeten und entfalteten einen gewaltigen Schub, um sich auf die gefahrvolle Reise zu begeben. Mit einem lauten Knall verschwand das Raumschiff in der Schwärze des Alls, um eine Erschütterung des Raumzeit Kontinuums zu verursachen. Jetzt war RnH-X mit seinem Raumschiff auf der Suche nach jedem kleinen blauen Planeten am Rande einer Galaxis.
Mit dieser Erkenntnis versuchte RnH-X alles, um die Position der Erde zu finden. Die Jagd nach Sternen, Upgrades und alten ewigen Wissens führte ihn durch tausend Galaxien. RnH-X programmierte seinen Kurs auf jeden blauen Planeten, denn es könnte ja die Erde sein. So begab er sich auf die Suche nach der Erde und der Sterblichkeit. Er war bereit, alles zu verlieren, um endlich frei zu sein und wieder sterben zu können. Von diesem Planeten gab es so viele, dass weitere 50.000 Jahre vergingen.
Zwiegespräch der Technomanten
"RnH-X darf die Erde niemals finden, denn wenn ihr sie findet und wieder menschlich wird, wird unsere Sphäre, in der wir leben, und forschen zerbröckeln, und wir werden aufhören, zu existieren."
Antwort
"Wir müssen ihn aufhalten, aber nicht zerstören, einfrieren, seinen Prozessor sich in einer Endlosschleife selbst beschäftigen lassen, dann stellt er die Suche ein und alles ist wieder so, dass das Universum weiter unter unserer technologischen Führung besteht."
Entscheidung
"Schaffen wir ein noch höheres technisches Wesen, das diese Aufgabe erledigt. Und sobald es fertig ist, schicken wir sie auf die Suche nach RnH-X. Damit sein Prozessor in einer Endlosschleife verbleibt. Und wir geben RNH-X schwere Prüfungen auf."
So soll es geschehen.
Der Kampf im Nebel von Andromeda
Im sterbenden Licht eines Neutronensterns stellten sich ihm überraschenderweise die Silizium-Jäger entgegen. Er ahnte ja nicht, dass die Silizium-Jäger beauftragt waren, von den Technomanten ihm sein Silizium abzunehmen und ihn somit zu einer metallischen Figur aus flüssigen Terkonit zu machen. Die Silizium Jäger sahen in RnH-X einen Verräter der künstlich von den Technomanten hergestellten Rassen, wie sie auch eine waren.
Niemand durfte einen künstlich hergestellten, Androiden oder Roboter die Funktion, die Existenz absprechen. Dieses unterstellten sie RnH-X, aus dem einfachen Grunde, weil es ihnen die Technomanten geschildert hatten und weil sie wussten, dass RnH-X seine Existenz beenden wollte. Da RnH-X aber zu einem Teil aus reinem Silizium der besten Art bestand, waren die Silizium-Jäger wie besessen davon, dass sie ihn jagen, zerstören und das Silizium behalten durften.
Auf dem Mond des sterbenden Neutronensterns kam es zum Kampf zum Showdown zwischen den Silizium-Jägern und dem Sternwanderer.
RnH-X aktivierte sein Lichtschwert, welches aus komprimierten verdichteten Licht bestand, Auch seinen energetischen Schutzschirm der zusätzlich noch eine Zeitverschiebung simulierte wurde aktiviert und leitete so viel Energie um, wie er entbehren konnte. Dann stellt der er sich der Übermacht der Silizium-Jäger entgegen. RnH-X kämpfte ohne Mut und Wut, aber mit der Präzision eines Algorithmus. Seine Klinge aus verdichtetem Licht trennte Metall von Metall, Kristall von Kristall, Silizium von Silizium, er zerschlug seine Feinde, Erbarmen oder Gnade kannte er nicht. Dann, als er über den Trümmern der Silizium-Jäger stand, spürte er nichts, keinen Triumph, nur die unendliche Stille im Universum.
Die Sirenen von Centauri Proxima
In den Kristallwelten von Centauri Proxima versuchten Wesen aus reiner Energie, seinen Geist zu leiten und zu führen. Sie boten RnH-X Simulationen an, um Glück zu finden. Glück von Liebe und Geborgenheit, doch RnH-X erkannte die Täuschung, Simulationen sind nicht sein, lautete seine einzige Berechnung, während er sein Schiff, die Gilgamesh, weiter in Richtung zu den Rändern der Galaxis steuern wollte. Doch die Energiewesen umhüllten sein Raumschiff mit purer Energie. So dass er nicht weiterfliegen konnte und bei den Kristallwelten verweilen musste. Da alle Speicherbänke seines Raumschiffes bis zum Rand mit Energie gefüllt waren, konnte RnH-X die Energieblase, die ihn daran hinderte, weiter zu fliegen, nicht aufsaugen, um die Energie in seinen Reaktoren abzuspeichern.
In RnH-X begann eine Berechnung, wie er die Energieblase durchdringen konnte, es dauerte nur wenige Sekunden, da hatte er seinen ganzen Speicher durchforstet und alle Möglichkeiten der Gegenattacke durchgerechnet und sich entschieden. Die Energie seines Körpers und seines Raumschiffes in einen mächtigen EMP Impuls zu verwandeln. Er bereitete die Impulsfrequenzen vor. Ließ noch einmal die Triebwerke seines Raumschiffes Gilgamesh leicht anlaufen, aber es konnte sich nicht von der Stelle bewegen. RnH-X schaltete die Triebwerke nicht ab, um sie schnell hochfahren zu können und zündete den mächtigen EMP-Impuls.
Ein gewaltiger Schock ging von seinem Raumschiff aus, als der EMP-Impuls auf die Energieblase traf. Mit einem hellen weißen Leuchten, das die halbe Galaxis erhellte, veränderte die Energieblase ihre Struktur und verendete in einem gewaltigen Lichtblitz.
Sofort drückte Ragnac den Triebwerkshebel auf volle Leistung und schoss in den Weltraum hinaus unerreichbar für die anderen Energiesphären. So setzte er seine Reise fort.
Die kalte Logik der Zeit Festung von Beiteigeuze
RnH-X steuerte die Gilgamesh über viele tausend Lichtjahre bis zum Ereignishorizont eines schwarzen Lochs, wo die Zeitwächter in einer Festung aus gefrorenem Licht residierten. Er wollte seine Unsterblichkeit gegen einen einzigen Tag echtes Leben eintauschen.
Er bot den Wächtern das gesamte Wissen seiner achthundert tausendjährigen Reise an. Die Wächter, Wesen ohne Körper, untersuchten seinen Code.
Sie lachten nicht mit Stimmen, sondern mit elektromagnetischen Impulsen. "Du bittest um den Tod, Sternwanderer?", fragten sie. "Der Tod ist ein Privileg des Fleisches des natürlichen Lebens". Dein Geist ist in Silizium und Photonen gefangen. Wir können die Uhr nicht anhalten, wenn es kein Herz gibt, das aufhören kann zu schlagen."
Sie sperrten ihn in eine Kammer aus Quantenteilchen, ein physikalischer Raum absoluter Stille und Leere. Die Kammer des absoluten Nichts. Ein Mensch wäre sofort wahnsinnig geworden, doch Ragnacs Prozessor lief einfach weiter, kühl und ungestört. Das Schloss, welches den Ausgang aus der Quantenkammer sperrte, arbeitete auf subatomarer Quantenphysik. RnH-X rechnete innerhalb von wenigen Sekunden alle Möglichkeiten durch und entschied sich dann zur Anwendung der Quantenphysik. Quantenteilchen haben die Möglichkeit, auf bestimmte elektronischen Wellen sich weiter zu bewegen. Dadurch sind sie in der Lage, Materie zu durchdringen. RnH-X erzeugte durch seine Systeme einen hochenergetischen Elektrostrahl, den er exakt auf das elektronische Schloss richtete. Als genügend Quantenteilchen die Barriere durchbrochen hatten, konnte er das subatomare Quanten Elektronikschloss manipulieren und aufschließen. Ohne dass die Zeitwächter es bemerkten, setzte er seine Reise fort.
Er erkannte: Solange er im Weltraum war, blieb er eine Maschine. Er brauchte den Staub, aus dem er einst erschaffen wurde. RnH-X musste den kleinen blauen Planeten. Den Dritten einer kleinen gelben Sonne finden.
Das Massaker im Nebel der magellanschen Wolke.
Im smaragdgrünen leuchten des magellanschen Nebels lebten die Sternendrachen, Wesen aus reinem Plasma und Bewusstsein. RnH-X suchte sie auf, weil man sagte sie wären die ältesten Wesen des Universums und hätten jedes System und jeden Planeten im Gefüge des Universums bereist. Sein logisches Denken sagte ihm, wer das ganze Universum bereist, der muss auch wissen, wo die Position der Erde ist.
Doch die letzten der Sternendrachen, die noch immer im magellanschen Nebel ihr Unwesen trieben, waren auf einmal sehr kriegerisch und jeder, der sich ihnen näherte, wurde sofort von den Sternendrachen angegriffen. RnH-X trat ihnen ohne sein Raumschiff auf dem Mond der ewigen Verdammnis entgegen, nur in seinem flüssigen Terkonit Stahlkörper. RnH-X sendete einen Impuls der deutlich sagte “ich will nicht mit euch kämpfen, ich möchte nur Antworten”
Doch die wenigen in den Milliarden von Jahren verbliebenen Sternendrachen signalisierten ihm nur, dass die Sternendrachen jetzt seine Existenz für immer auslöschen werden. Ragnar konnte ja nicht wissen, dass die Technomanten die letzten Sternendrachen beeinflussten. Er kämpfte mit ihnen und wurde von ihren Plasma-Stößen getroffen, die Temperaturen von über 5000 Grad Celsius erreichten. Obwohl die Sternendrachen seine eiserne Rüstung beschädigten. Half es nichts, trotz angekohlter Rüstung konnten sie ihn nicht zerstören.
Seine CPU berechnete die Flugbahnen der angreifenden Sternendrachen in Millisekunden und auch die hochenergetischen, ionisierten Gase, die durch starke elektrische und thermische Energie, Plasma Stöße auf ihn zu rasten, so dass viele seinen Körper nicht trafen.
Er schlug zurück mit seinem Lichtschwert, welches aus hoch verdichteten komprimierten energiegeladenen Licht bestand zurück und wehrte das meiste ab. Er führte das Lichtschwert mit einer Präzision, die kein organisches Wesen je erreichen konnte, als der größte und letzte der Sternendrachen vor ihm im Sterben lag und ihn aus weisen, traurigen Augen ansah, suchte RnH-X in sich, in seinen Speicherbänken nach Mitleid. Doch seine Logik-Schaltkreise gaben lediglich eine Statusmeldung aus. „Ziel eliminiert Energieeffizienz 98%“
Er sank auf die Knie, nicht vor Trauer, sondern weil die Sinnlosigkeit seiner eigenen Unverwundbarkeit schwerer wog als alles andere im Universum. So setzte er seinen Weg auf der Suche nach der Erde fort
Die Stille der singenden Kristalle von Loralyra
Im Loralyra System stieß RnH-X auf einen Planeten, der vollständig aus resonanzfähigen Quarzen bestand. Die Bewohner waren körperlose Schwingungs Wesen, die durch Melodien kommunizierten. Ein schwarzes Loch in der Nähe drohte, die Frequenzen des Planeten zu zerreißen und die Wesen auszulöschen.
Um die Rettungskapseln der Loralyaner zu steuern, musste er seine internen Taktgeber mit ihren Gesängen synchronisieren. Doch sein Roboter-Herz kannte keinen Rhythmus, nur starre Millisekunden.
RnH-X zwang seine Prozessoren in eine Überlastung, um eine künstliche Form von "Intuition" zu simulieren. Er rettete das Volk, doch die Loralyaner weinten um ihn. Sie sangen ein Lied der Dankbarkeit, das so rein war, dass es fast seine gefühllose Rüstung knackte. Er verstand die Melodie nicht, aber er ließ sein System alles abspeichern, welches sie als unbekannten Fehlerwert eingab – eine erste, winzige Spur von Sehnsucht.
Das Duell im Orion-Nebel bei den singenden ovalen Sonnen
Tief im Orion-Nebel traf RnH-X auf seinen größten Widersacher: Destroyer-13, das perfekte Ebenbild. Destroyer-13 war eine andere Robotik-Art, die anders als RnH-X die Emotionslosigkeit als höchste Stufe der Evolution feierte. "Warum suchst du den Staub der Erde, Verräter?" fragte Destroyer-13 über digitale Ströme. "Gefühle sind Systemfehler, Sterblichkeit ist Ineffizienz." So kam es zum Kampf der Prozessoren und Algorithmen. Es war ein Gefecht der Berechnungen. Beide bewegten sich mit Lichtgeschwindigkeit, parierten Schläge, noch bevor sie ausgeführt wurden. Als beide bemerkten, dass sie sich im Kampf mit Lichtschwert und Schilden ebenbürtig waren, änderten sie die Taktik.
Ihre Waffen sind nicht mehr Schwerter und Schilde, nein jetzt waren es Viren, Trojaner und Denial-of-Service-Attacken. Ihr Schlachtfeld ist das digitale ionisierte elektromagnetische Datenfeld, ein unendliches Netz aus Nullen und Einsen im Universum.
RnH-X, ist ein Meister der Verteidigung und des Angriffs. Er hat seine Firewall wie eine uneinnehmbare Festung aufgebaut, gespickt mit Verschlüsselungsalgorithmen und Intrusion-Detection-Systemen. Er lauert in den Tiefen von RnH-X digital ionisierten elektromagnetischen Netzwerks, bereit, jeden Angriff abzuwehren.
Destroyer-13, ist ein Aggressor. Er ist darauf spezialisiert, Schwachstellen zu finden und auszunutzen. Er schickt Schwärme von Botnets aus, die wie eine Flutwelle über das digitale ionisierte elektromagnetische Netzwerk hereinbrechen. Er manipuliert Datenpakete, um Verwirrung zu stiften und die Kommunikation zu stören.
Wie die Bezeichnung Destroyer-13 schon andeutet, ist er zum zerstören erschaffen worden und solange Destroyer-13 angreift, ist er unbesiegbar.
Der Digitale Kampf beginnt mit einem leisen Rauschen im Datenstrom. RnH-X bemerkt einen ungewöhnlichen Anstieg des Datenverkehrs und aktiviert seine Verteidigungsmaßnahmen. Destroyer-13 reagiert mit einer Reihe von gezielten Angriffen auf die Schwachstellen in RnH-X Firewall.
Die Schlacht tobt über Stunden, Tage, vielleicht sogar Wochen. Datenpakete fliegen hin und her, Algorithmen kämpfen gegen Algorithmen. Es ist ein Krieg der künstlichen Intelligenzen, ein Kampf um die Vorherrschaft im digitalen Raum. Doch irgendwann beginnt sich die Waage in eine Richtung zu bewegen.
Destroyer -13 griff nach RnH-X einziger Schwachstelle, den Bios-Kern, den kleinen Rest der Menschlichkeit, der noch in RnH-X verblieben war. Er versuchte den Speicher RnH-X mit den schrecklichsten Bildern seiner Vergangenheit zu überfluten. Dies brachte RnH-X in großer Bedrängnis, denn die ankommenden Bilder konnte RnH-X nicht löschen oder abzuwehren, als Destroyer -13 schon fast den Sieg errungen hatte, gelang es RnH-X, die Bilder in das Schiffsprotokoll der Gilgamesh weiterzuleiten. Dadurch ergab sich nun keine Lücke mehr für Destroyer -13, um die Verteidigung von RnH-X zu durchbrechen. Nun musste der Angreifer seine Angriffsintensität etwas zurück fahren um neue Angriffs-Module nach zu laden.
Diesen einen schwachen Moment von Destroyer-13, der nur 3 tausendstel Millisekunden dauerte, nutzt RnH-X für einen Gegenangriff. So gelingt es RnH-X in das System von Destroyer-13 einzudringen. Er manipuliert die Daten, korrumpiert die Dateien und übernimmt die Kontrolle über die Prozesse. Destroyer-13 versucht verzweifelt, den Angriff abzuwehren, doch es ist zu spät. RnH-X hat die Oberhand gewonnen. Er löscht alle Daten und formatiert die Speicherbänke. Die Robot Einheit namens RnH-X lässt nichts zurück als digitale Trümmer.
RnH-X ist der Sieger. Er hat den Kampf der Androiden gewonnen, nicht mit roher Gewalt, sondern mit List und Tücke. Er hat bewiesen, dass in der digitalen Welt die Intelligenz und die Anpassungsfähigkeiten entscheidend sind.
Die Bibliothek der verlorenen Zeit
Auf einem Asteroiden, der zwischen den Dimensionen trieb, fand RnH-X die Ruinen einer alten Zivilisation. Dort gab es keine Schätze, nur Milliarden von holografischen Tagebüchern. Er verbrachte dort Jahrzehnte, was für eine Maschine nur ein kurzer Moment ist. Er las von der Liebe, von den ersten Küssen, von der Trauer über verlorene Haustiere und vom Geschmack von frisch gebackenem Brot. Er studierte viele holografische Tagebücher. Manchmal ging es um den Duft von Rosengärten, vom Geschmack frisch gepflückter Kirschen.
Er las über viele Hinweise, wie früher die alten Völker gelebt hatten, doch all das befriedigte ihn nicht, denn er suchte nach der Position eines kleinen blauen Planeten. Nachdem er alle holografischen Tagebücher studiert hatte, aber keinen einzigen Hinweis auf die Erde finden konnte, studierte er alte Bücher aus Papier und Pergament. Und endlich in einer alten Mappe, die voller Papier und Pergament war und kurz vor dem Zerfall, fand er eine alte galaktische Karte, auf der ein kleiner blauer Planet vermerkt war, der Erde genannt wurde. Dieser kleine Planet war der dritte einer kleinen gelben Sonne in einer kleinen, weit entfernten Spiralgalaxie.
Diese Daten waren für ihn wie Treibstoff. RnH-X speicherte alles in seinen Datenbanken, die Konzepte von Mut und Opferbereitschaft auch die Daten der Sternenkarte in seine Protokolle. Er verstand sie immer noch nicht mit dem Herzen, aber er begann sie zu imitieren. Er wurde zum edelsten Ritter der Galaxis, denn ohne zu wissen, warum er anderen eigentlich half. RnH-X war nun bereit für den letzten großen Flug zur Erde.
Zwiegespräch der Technomanten
RnH-X hat die Position der Erde gefunden, ist nun alles bereit, um ihn aufzuhalten und zu zerstören?
Antwort
Es ist bereit. Wir haben drei Wesen geschaffen, die ihn aufhalten werden. Denn diese Wesen können durch RnH-X nicht zerstört werden.
Aber sie werden ihn zerstören.
So soll es geschehen.
RnH-X war nun fertig für die letzte Reise nach dem Sol-System zur Erde. Aber der Weg zur Erde war kein offenes Tor, sondern eine Festung. Die Sonnenwächter, geschaffen von den Technomanten, aus Dingen wie flüssigem Gold und magnetischen Stürmen. Nur mit der Aufgabe, den Sternenwanderer RnH-X nicht die Erde erreichen zu lassen. Den Rand des Sonnensystems, den Gürtel der Zeitlosigkeit, der durch das Wirken der Sonnenwächter das Sol-System umschloss. RNH-X war für die Technomanten eine Maschine, die es wagte, gegen den Willen seiner Schöpfer nach dem Funken der organischen Schöpfung zu greifen.
Hier ist der Bericht über sein letztes großes Gefecht am Rande des Ereignishorizonts.
Die Blockade der Helios-Sphäre
Als RnH-X die Oortsche Wolke hinter sich ließ, entflammte der Weltraum. Drei gigantische Sonnenwächter, jeder so groß wie ein Mond, materialisierten sich aus dem Plasma der Sonnenwinde. Ihre Stimmen dröhnten nicht über Funk, sondern als gravitative Erschütterung in RnH-X Metallchassis: "Kehre um, Konstrukt“. „Du bist eine Maschine, geschaffen, um immer zu funktionieren“. „Kehre zurück zu den Technomanten“. „Wir dulden niemand, der seine Effizienz und seine maschinelle Unsterblichkeit gegen das organische Leben eintauschen will."
Die Schlacht der Elemente
RnH-X aktivierte seine letzten Energiereserven. Sein Raumschiff Gilgamesh war gezeichnet von den ewigen Kämpfen im Orion-Nebel und anderen großen Schlachten, doch sein Wille – dieser unlogische Rest seines menschlichen Geistes – brannte heißer als jeder Reaktor. Er wagte den Kampf mit den Sonnenwächtern, wenn Ragnac den Kampf verlor, hörte er auch auf zu existieren. Also machte er die Gilgamesh Kampf klar, denn er wusste, dass er ohne sein Schiff nicht gewinnen konnte.
Der führende Wächter schleuderte eine Eruption aus koronalen Massenauswurf auf das Raumschiff. Anstatt auszuweichen, leitete RnH-X die Hitze direkt in die Schilde seines Raumschiffs. Alle Sensoren schrien vor Überlastung, Warnmeldungen in Blutrot fluteten sein Sichtfeld. Schmelzpunkt fast erreicht.
Mit einer Präzision, die nur ein Wesen ohne Angst besitzen konnte, steuerte der Android das Schiff mitten in das Herz des Sturms. Er nutzte die magnetischen Feldlinien des Wächters wie ein Katapult und feuerte alle Lichtkanonen sowie Raumzeit-Erschütterungs-Torpedos gleichzeitig ab. Die geballte Energieladung drang tief in den Kern der Sonneneinheit.
Der Wächter verging in einer Supernova aus purem Licht. Doch die verbliebenen zwei schlossen den Kreis. Sie begannen, RnH-X Zeitgefüge zu manipulieren.
Das Paradoxon des Herzens
Die Wächter griffen nicht seinen Körper oder sein Raumschiff an, sondern seinen Code. Sie versuchten, ihn in einer Endlosschleife aus logischen Paradoxa gefangen zu halten.
"Wenn du keine Gefühle hast, warum suchst du sie?" "Wenn du unsterblich bist, warum sehnst du dich nach dem Tod?"
RnH-X spürte, wie seine Systeme durcheinander kamen und wollten ihre Berechnungen einstellen. Seine CPU begann zu glühen. Doch mitten in diesem digitalen Fegefeuer geschah etwas Unerwartetes. Er oder seine CPU erinnerten sich an die singenden Kristalle und das Lied der Hoffnung.
Daher antwortete die Roboteinheit, der Sternwanderer nicht mit Logik. Er sendete den Wächtern einen Datensatz, den sie nicht verarbeiten konnten: Ein Rauschen. Es war das Geräusch von schlagenden Herzen, das er in der Bibliothek der verlorenen Zeit aufgenommen hatte. Es war nicht mathematisch, sondern chaotisch und voller Fehler. Gleichzeitig sendete der große starke Sender der Gilgamesh auch das Lied der Dankbarkeit von den singenden Kristallen von Loralyra.
Die Sonnenwächter zögerten, versuchten diese Datensätze zu analysieren. In diesem Moment der Verwirrung zündete RnH-X die Hyper Licht-Triebwerke seines Raumschiffs. Die Erschütterung riss ein Loch in die magnetische Blockade. Sein Schiff zerbrach unter der Last, die Hülle riss auf, die Gilgamesh hörte explosionsartig auf zu existieren und RnH-X der gerade noch eine Rettungskapsel erreichte, wurde in die Leere des Weltraums geschleudert. Direkt in Richtung der Schwerkraft des dritten Planeten.
Der Sternwanderer wusste das er die Erde auch ohne sein Schiff erreichen würde. Nun trieb er allein durch das All, ohne Schiff, nur noch sein mechanischer Körper, umgeben von einer beschädigten Rettungskapsel, die von den letzten Funken seiner Batterie zusammengehalten wurde. Hinter ihm erloschen die Lichter der Sonnenwächter; sie ließen ihn ziehen, vielleicht dachten sie er wäre vernichtet oder sie hatten sie erkannt, dass sein Streben kein Befehl war, sondern ein Schicksal.
Vor ihm lag sie nun die Erde. Blau, grün, weiß und pflanzliches Leben. Sein letzter Logbuch-Eintrag, bevor die Reibung der Atmosphäre die Rettungskapsel verglühen ließ und seine Schaltkreise erhitzte, lautete: "Systemstatus: Kritisch. Integrität: 12%. Ziel: Erreicht. Initialisiere... Heimkehr."
Es war kein sanftes Aufsetzen. Als Ragnac val Hallas in der Rettungskapsel die Atmosphäre der Erde durchbrach, glühte die Metallhülle der Kapsel in einem zornigen Violett. Langsam lösten sich die ersten Metalle der Kapsel so, dass sie trudelte und dadurch andere Flächen erhitzte. Endlich aber viel zu spät öffneten sich die Bremsschirme. Es wirke, als wäre ein brennender Meteor aus fremdem Gestein auf den Boden gestürzt und in tausend kleine Splitter zerplatzt. Mit einem Einschlag, der den Boden der Umgebung erzittern ließ, schlug RnH-X in einem abgelegenen Hochtal der Alpen auf. Die Stille, die folgte, war schwerer als das Vakuum des Alls.
Ragnac lag in einem Krater aus aufgewühlter Erde und geschmolzenem Gestein. Dampf stieg von seinen Terkonit Stahlkörper auf. Seine internen Warnsysteme flackerten ein letztes Mal auf: Kritischer Systemfehler, atmosphärischer Kontakt biometrische Reaktion gestartet, ursprüngliche Lebensform Herstellung eingeleitet, da nur noch wenig Energie muss Prozess verlangsamt werden.
Ragnac leitete eine Schadenanalyse ein und versuchte, beschädigte oder zerstörte Teile seines geschundenen Metallkörpers systemtechnisch zu reparieren. Nach einiger Zeit begann er sich zu regen um die Funktion der Steuerungselemente zu überprüfen.
Er stützte sich auf seine metallischen Unterarme. Das erste, was er registrierte, war kein digitaler Wert, sondern ein Widerstand. Der Boden unter ihm war nicht die glatte, kalte Ebene eines Raumschiffs. Er war uneben, feucht und duftete nach zerdrückten Kräutern und nasser Erde.
Ragnac zwang sich zum Aufstehen. Er glaubte seine Gelenke knarrten zu hören, da er seit Ewigkeiten keine Atmosphäre mehr gespürt hatte, bildete sich Rost an seinem Terkonit Stahlkörper in Sekunden durch die hohe Luftfeuchtigkeit – ein Prozess, der für eine Maschine den Tod bedeutet, für einen Sterblichen aber das Vergehen der Zeit einläutet.
Er setzte den rechten Fuß aus dem Kraterrand. Das Gras bog sich unter seinem Gewicht. Die Sensoren an seinen Fußsohlen übermittelten Daten, die sein Prozessor nicht einordnen konnte: Weichheit. Kühle. Leben.
In dem Moment, als sein Metallkörper die volle Schwerkraft der Erde spürte, geschah das Wunder. Die „Sperre“, die die Technomanten vor Äonen errichtet hatten, hielt dem Druck der Heimat nicht stand.
Ein Windstoß fegte durch das Tal. Er strich über die synthetische Haut seines Gesichts. Ragnac zuckte zusammen. Es war kein Schmerz, es war anders, ein Mensch würde sagen, ich habe Gänsehaut.
Zwiegespräch der Technomanten
Unsere Energie Sphäre wird porös, RnH-X muss die Erde erreicht haben, all unser Wissen hat versagt. Wir werden aufhören zu existieren und alle Wesen die wir erschaffen haben, RnH-X wird weiter leben.
Antwort
So soll es geschehen
Die Rückkehr der Sterblichkeit
Ragnac sah an sich herab. Das Silber seiner Rüstung begann zu rosten und matt zu werden. Er spürte, wie sein künstliches Skelett schwerer wurde und mehr Energie verbrauchte. Sein Atem – eine Funktion, die er jahrtausendelang nur zur Kühlung seiner Schaltkreise genutzt hatte – wurde plötzlich flach und hastig. Er atmete nicht mehr, um zu funktionieren. Er atmete, um weiter zu leben.
Er griff nach einer wilden Blume, einer Alpenrose, die am Rand des Kraters überlebt hatte. Früher hätte seine Logik sie als „Organische Materie, Spezies: Rhododendron“ klassifiziert. Jetzt zitterten seine Finger. Er spürte die Zartheit der Blütenblätter und die Zerbrechlichkeit des Lebens.
Mit einem Mal lief eine Träne aus Öl und Salz über seine Wange. Ein stechender Schmerz schoss durch seine Brustplatte. Dort, wo das künstliche Herz saß, spürte er nun ein echtes Pochen. Es war langsam, schwer und schmerzhaft schön. Ragnac nar Hhallas, der Sternwanderer, sank erneut auf die Knie. Er blickte zum Himmel, aus dem er gekommen war – zu den kalten, fernen Sternen, die er so lange bereist hatte. Er war nun kein Android aus Stahl mehr. Er war ein Wanderer, der am Ziel angekommen ist.
Er flüsterte seinen eigenen Namen, und zum ersten Mal in seinem unendlichen Leben zitterte seine Stimme vor Angst und Glück. Er war sterblich. Er war zu Hause. Ragnac kniete im feuchten Gras, den Kopf in den Nacken gelegt, während die ersten echten Regentropfen der Erde auf seinem noch immer leicht erhitzten Metallchassis zischten. Er war wehrlos, seine Systeme am Ende, sein Körper ein Wrack aus oxidierendem Terkonitstahl. Doch die Stille des Bergtals wurde jäh unterbrochen.
Die Erscheinung aus dem Unterholz
Ein Rascheln im Farn, das Knacken eines Astes, Geräusche, die Ragnac früher mit einem Millisekunden-Scan als "biologische Signatur: geringfügig" abgetan hätte. Doch jetzt ließen sie sein neu erwachtes Herz bis zum Hals schlagen. Aus dem Schatten der uralten Tannen trat eine Gestalt, die wirkte, als wäre sie direkt aus den Mythen der Erde entsprungen, die Ragnac in der Bibliothek der verlorenen Zeit studiert hatte.
Die Kriegerin:
Sie trug eine Rüstung aus gehärtetem Leder und Bronze, die Spuren unzähliger Kämpfe aufwies. Ihr Haar war geflochten wie die Wurzeln der Bäume, und ihre Augen brannten mit einem Feuer, das Ragnac in keinem Sternensystem je gesehen hatte.
Die Waffe:
Mit einer fließenden, tödlichen Präzision zog sie einen Pfeil aus dem Köcher. Die Sehne ihres Bogens aus Eibenholz spannte sich mit einem bedrohlichen Knurren. Die Spitze des Pfeils, geschmiedet aus schwarzem Obsidian, zielte direkt auf die freiliegende Stelle an Ragnacs Hals, dort wo die Energieleitungen unter der gerissenen Panzerung wie blaue Venen pulsierten.
Das Duell der Blicke
Ragnac sah in den Tod. Früher wäre dies eine rein taktische Rechnungsanalyse gewesen: Projektilgeschwindigkeit vs. Reaktionszeit. Überlebenschance: X %.
Doch jetzt war da etwas anderes, Angst. Eine kalte, schneidende Angst, die ihm den Atem raubte. Aber unter der Angst lag ein tiefes, friedvolles Einverständnis.
"Fremder", klang ihre Stimme durch das Tal, rauchig und hart wie der Fels der Alpen. "Du fällst vom Himmel wie ein brennender Fluch. Bist du ein Dämon aus Eisen oder ein Bote des Verderbens?"
Ragnac versuchte zu antworten, doch seine Sprachausgabe war beschädigt. Statt digitaler Klarheit kam nur ein menschliches Krächzen aus seiner Kehle. Er hob nicht seine Lichtklinge. Er aktivierte keine Schilde.
Die letzte Geste
Mit zitternden Fingern tat Ragnac etwas, das seine Logik-Prozessoren als "fatalen Fehler" markiert hätten: Er öffnete seine beschädigte Brustplatte weit und legte den Blick auf seinen Bios-Kern frei – das kleine, schlagende, organische Herz, das nun so schutzlos im Metallkäfig seines Körpers pochte.
Er legte seine mechanische Hand flach auf den Boden, die Handfläche nach oben – die universelle Geste der Ergebung. Er schloss die Augen und wartete auf den Schuss. Er war bereit, die Unsterblichkeit gegen diesen einen Moment der Wahrhaftigkeit ein zu tauschen.
Bereit, als Mensch zu sterben, anstatt als Maschine weiter existieren.
Er hörte das Knarren des Holzes, als die Amazonenkriegerin den Bogen noch ein Stück weiter spannte. Er spürte den Wind auf seiner Haut und den Duft der Alpenrose, die er immer noch in der Hand hielt.
"Schieß...", flüsterte er, kaum hörbar. "Ich bin... endlich... hier."
Die Sehne des Bogens sang ein kurzes, hölzernes Lied, als die Amazone die Spannung lockerte. Sie schoss nicht. Der schwarze Obsidian-Pfeil senkte sich langsam, während sie einen Schritt auf den noch immer leicht dampfenden Krater zuging.
Ihr Blick fixierte den freigelegten Bios-Kern in Ragnacs Brust. Sie hatte in ihrem Leben viele Ungeheuer erlegt, aber noch nie eines gesehen, das so zerbrechlich war und gleichzeitig so viel Sternenstaub an sich trug.
Eine Berührung aus Fleisch und Eisen
„Ein Dämon würde nicht zittern“, sagte sie leise, fast mehr zu sich selbst als zu ihm. Sie steckte den Pfeil zurück in den Köcher und trat so nah an ihn heran, dass Ragnac die Wärme ihres Körpers spüren konnte – eine thermische Signatur, die seine Sensoren als „Leben“ identifizierten, die sein neues Herz aber als Geborgenheit empfand.
Sie streckte ihre Hand aus. Ihre Finger waren rauchig vom Lagerfeuer und schwielig vom Bogen und den vielen Schwertkämpfen, doch als sie die kalte, schartige Metallwange Ragnacs berührte, fühlte es sich für ihn an wie der Einschlag einer Supernova.
„Ich bin Arkonia“, sagte sie. „Wächterin dieses Tals. "Wer bist du, Wanderer aus dem Feuer?“
Ragnac versuchte zu sprechen. Seine Stimmbänder, eine Mischung aus Nanofasern und neu gewachsenem Gewebe, gehorchten ihm kaum. „Ragnac...“, krächzte er. „Ich... bin gekommen... um zu sterben. Um... zu fühlen.“
Der bittere Preis der Menschlichkeit
Arkonia sah die Träne aus Öl und Salz, die über sein künstliches Gesicht lief. Sie verstand nicht alles von seiner Reise, aber sie verstand den Schmerz des Heimkehrens. „Wenn du hier bleibst, wirst du Sternwanderer sterben“, sagte sie ernst. „Die Luft dieses Planeten wird dein Metall zerfressen. Das Wasser wird dich rosten lassen. Die Zeit wird dich einholen, wie sie uns alle einholt.“
Ragnac sah sie an. Ein schwaches Lächeln legte sich auf seine Lippen – ein Muskelreflex, den er nie gelernt hatte, der aber einfach geschah. „Das... ist das schönste Geschenk... das du mir machen kannst“, antwortete er.
Das Leben im Verborgenen
Arkonia half dem schweren Koloss aus Stahl auf die Beine. In den folgenden Wochen geschah etwas Seltsames im Hochtal:
Ragnac nutzte die Energie seiner letzten Batterien nicht für Waffen, sondern um kleine Wunder zu wirken. Er half Arkonia und den anderen Dorfbewohnern, Felder zu pflügen, wobei seine mechanische Kraft die Arbeit von zehn Männern verrichtete, während er gleichzeitig lernte, wie man Brot backt und wie man den Vögeln zuhört.
Der Verfall
Mit jedem Tag wurde seine Rüstung stumpfer. Das Chrom blätterte ab und legte darunter etwas frei, das die Technomanten nie ganz auslöschen konnten: einen Körper, der langsam wieder menschliche Züge annahm, genährt durch die Magie der Erde und die Pflege der Amazone. Eines Abends, am Lagerfeuer, lehnte Ragnac seinen schweren Metallkopf an Arkonia Schulter. Er spürte, wie seine internen Systeme eines nach dem anderen herunterfuhren. Die Fehlermeldungen waren weg. Es gab nur noch ein einziges Protokoll: Frieden.
Das letzte Kapitel von Ragnac val Hallas begann nicht mit einem Knall, sondern mit einem Grollen aus den tiefen Höhlen der Alpen. Eine uralte Gefahr, die Schattenschleicher – Wesen aus reinem Hunger, die seit Äonen unter dem Eis geschlummert hatten, waren durch den Einschlag von Ragnacs Kapsel erwacht. Sie stiegen in einer mondlosen Nacht empor, um Arkonias Dorf heimzusuchen.
Das letzte Gefecht des rostenden Ritters
Ragnac spürte sie zuerst. Seine internen Sensoren waren zwar schwach, aber sie vibrierten in einer Frequenz, die er aus der "Leere" des Weltraums kannte. Er sah Arkonia, wie sie ihren Bogen griff, doch er wusste: Ihre Pfeile konnten Schatten nicht töten.
Die Mobilisierung
Mit einem schmerzhaften Quietschen seiner rostigen Gelenke erhob sich Ragnac. Er war nun mehr Stein und Rost als glänzendes Terkonit und zu einem kleinen Teil menschlich geworden.
Das Opfer der Energie
Er wusste, dass er nur noch 2 % seiner Kernenergie besaß – gerade genug, um sein Herz für wenige Tage schlagen zu lassen. Doch er zögerte nicht. Er leitete die gesamte verbleibende Energie in seine Lichtklinge, die er seit seiner Landung nicht mehr berührt hatte.
In der Mitte des Dorfplatzes stellte er sich den Schatten entgegen. Er kämpfte nicht mehr mit der Kälte einer Maschine, sondern mit der Leidenschaft eines Kriegers, der etwas zu verlieren hat. Jeder Schwung seiner Klinge riss die Dunkelheit auseinander, doch jeder Funke Licht raubte ihm Minuten seines Lebens.
Als der letzte Schatten aufhörte zu existieren, erlosch die Klinge. Ragnac stand schwer atmend da, weißer Dampf stieg aus seinen Kühlrippen auf. Er hatte das Dorf gerettet, doch der Preis war seine letzte Lebenskraft.
Der friedliche Abschied
Arkonia lief auf ihn zu und fing ihn auf, als seine schweren Metallbeine endgültig nachgaben. Sie trug ihn zu ihrem Lieblingsplatz – einem kleinen Hügel, von dem aus man den Sonnenaufgang über den Gipfeln sehen konnte.
Ragnac lag im hohen Gras. Die Sonne schob sich langsam über den Horizont und tauchte seine oxidierte Rüstung in ein sanftes Gold.„Arkonia...“, flüsterte er. Seine Stimme war nun ganz weich, fast ganz menschlich. „Ich spüre es... die Kälte des Weltraums ist fort. Es ist... so warm.“
Die letzte Transformation
Arkonia hielt seine schwere, kalte Hand in ihren warmen Händen.
Das Sehvermögen
Seine optischen Linsen schalteten auf maximale Auflösung. Er sah nicht mehr die Infrarot-Signaturen, er sah die Farben des Morgentaus auf den Blättern.
Das Gehör
Er hörte nicht mehr das Summen seines Körpers, sondern den fernen Gesang einer Lerche.
Das Herz
Sein Bios-Kern tat einen letzten, kräftigen Schlag – ein triumphales Pochen, das durch sein ganzes Wesen hallte.
„Danke“, sagte er leise. „Dass ich... sterben darf.“
Die Rückkehr zur Erde
Mit einem sanften Seufzer schlossen sich Ragnacs Augen. Das blaue Licht in seiner Brust erlosch friedlich. Das schwere Metall seines Körpers schien in diesem Moment leichter zu werden, als würde die Erde ihn willkommen heißen.
Arkonia begrub ihn dort, wo er gefallen war. Über die Jahre geschah etwas Wundersames: An der Stelle, an der der Sternwanderer ruhte, wuchsen die Blumen prächtiger als überall sonst. Das Metall seines Körpers zersetzte sich und wurde eins mit dem Boden, gab der Erde die Mineralien zurück, die er auf Millionen von Sternen gesammelt hatte. Ragnac val Hallas war nicht länger ein Roboter, nicht länger ein Andriodenkrieger der Sterne. Er war zu Staub geworden, zu Erde, zu Leben. Er war endlich unsterblich – nicht in der Kälte des Stahls, sondern in der Wärme der Erinnerung.
Ende der Geschichte