Meine Dragstar, mit der ich viel getourt bin

Meine Liebe zum Motorrad fahren

Meine Leidenschaft fürs Motorradfahren hatte ich schon in der Jugend.
Ich komme aus einer Arbeiterfamilie und konnte nur von Kreidler, Zündapp oder Herkules träumen. Erst nach meiner Militärzeit, als ich anfing eigenes Geld zu verdienen, konnte ich mir endlich ein gebrauchtes Motorrad kaufen (Yamaha 250 2.Takt)

Meine erste Maschine war weit entfernt von Perfektion – sie klapperte, sie zickte, und wenn es regnete, war sie beleidigt. Aber sie war das Ticket in die Freiheit. Damals dachte ich, das war es jetzt. Woher sollte ich auch wissen, dass meine Garage in den kommenden Jahren zu einem gut besuchten Motorradhotel wurde. 
Es begann bei mir mit der Heißsporn-Ära, gebückt über den Tank, die Knie fast am Boden, der Drehzahlmesser immer im roten Bereich.

Danach kam die Entdecker-Zeit, das Ziel war nicht mehr die Eisdiele, sondern die Kurven der Eifel und als die ersten Packtaschen vorhanden waren auch die Mosel, Hunsrück und Odenwald das Ziel.
Zwischendurch mal etwas wildes, rohes (Cup-Yamaha XS 400) nur ich, der Wind und der Sound, der tief in der Magengrube vibriert und dich Kilometer und Kurven sammeln lässt.
Manche Freunde fragten: „Warum schon wieder eine neue?“ Sie verstanden nicht, dass man ein Motorrad nicht einfach nur besitzt. Man lernt seinen Charakter kennen. Ich weiß noch heute, welche Maschine mich im Stich ließ und welche mich durch das schlimmste Unwetter meines Lebens trug, als wäre sie unbesiegbar. Ich könnte viele Geschichten erzählen. Über die Summe aller Kurven, die ich je gefahren bin. Aber wie sagt man?
„Man kann Glück nicht kaufen, aber man kann ein Motorrad kaufen – und das ist verdammt nah dran.“
Ein kräftiger Tritt auf den Kickstarter, und der Einzylindermotor (Yamaha SR 500) erwacht mit einem grollenden Donnern zum Leben, das man weniger hört als vielmehr im Körper spürt.
Später, als ich heiratete, zwei wundervolle Töchter bekam, schloss ich mit meiner Frau einen Deal: Kein Motorrad mehr, bis die Kinder auf eigenen Beinen stehen. Ich bin nicht Donald Trump, meine Deals halte ich ein.

Erst viele Jahre später kam wieder ein Bike, ein Chopper und danach eine Harley. Auf einem Chopper fährt man nicht einfach nur; man fläzt sich in den Wind. Die Füße weit vorne, die Hände lässig am hohen gekröpften Lenker – eine Sitzposition, die der Welt signalisiert: „Ich habe es nicht eilig, ich bin schon da.“
Draußen auf der Landstraße entfaltet sich die Magie. Jede Vibration des Motors überträgt sich direkt auf den Rahmen. Es ist eine ehrliche, mechanische Verbindung. Während die Supersportler mit kreischenden Motoren an mir vorbeiziehen, genieße ich das satte Drehmoment eines großvolumigen Choppers beim herausbeschleunigen aus der Kurve.
Es geht beim Chopper Fahren nicht um die Höchstgeschwindigkeit oder die beste Rundenzeit. Es geht um das Gefühl, ein schweres Stück Eisen durch die Landschaft zu dirigieren und dabei genau zu wissen, dass der Weg das Ziel ist und vor mir liegt nichts als Freiheit.

Das kurze Nicken unter Gleichgesinnten an der Ampel – ein stummes Verständnis, dass man gerade das gleiche Glücksgefühl genießt.

Das Bild eines älteren Mannes auf einem Chopper hat eine ganz eigene, würdevolle Ästhetik. Es geht nicht um Geschwindigkeit oder Aggression, sondern um puren Genuss und das Zelebrieren der Freiheit. Wenn der Motor erwacht, ist es kein nervöses Kreischen, sondern ein tiefes, sattes Grollen. Man spürt die Vibrationen bis in die Magengrube – Der Alltag ist bereits jetzt kilometerweit entfernt.
Der Sound des Motors ist die Musik, und der Gasgriff ist der Taktstock. Man lässt den Motor im Leerlauf kurz „atmen“, bevor man den ersten Gang mit einem mechanisch-befriedigenden Klack eintritt.
Gemütliches Chopper-Fahren heißt, die Natur, die Umgebung aufzunehmen, statt einfach vorbeirasen. Es gibt keinen Zeitdruck. Während die jungen Wilden an dir vorbeiziehen, lächelst du nur wissend – du hast dein Ziel bereits erreicht, während du noch unterwegs bist. 
Es ist diese Mischung aus Leder, Chrom und Gelassenheit. Wenn du eine Rast machst oder vor einem Café anhältst, du strahlst Ruhe aus, die man nicht kaufen kann. Es ist die Souveränität von jemandem, der niemandem mehr etwas beweisen muss. Chopper Fahren im Alter ist die Kunst, die Zeit für einen Moment anzuhalten. 


Meine letzte große Liebe, ein Traum von Farbe und Chrom.